Was ist Fernsehen2?

tv-310415Es war irgendwann im Jahr 2013, als ich mich entschloss, kein Fernsehen mehr zu gucken. Ich hatte davor schon lange das Gefühl, dass da einfach nichts mehr läuft, dass mich wirklich interessieren würde. Es kam viel, dass beiläufig interessant war und ich sah mir jede Doku, jede Talkshow an, die mir so über den Weg lief und während ich das sah, fand ich es zwar nicht direkt langweilig aber dadurch, dass ich mir so oder so alles ansah, verschwamm alles zu einem großen Brei und mir ging der Blick fürs Wesentliche verloren. Ich wusste gar nicht mehr, was ich wirklich sehen wollte oder was ich mir einfach nur ansah, weil es eben gerade lief.

Die Erosion kam dann schrittweise: Als erstes gingen mir Talkshows auf den Senkel. Ich war schon immer politisch interessiert und guckte praktisch seit ich einen Fernseher hatte eigentlich alles, was es in dem Bereich so gab und das ziemlich regelmäßig. Aber irgendwann verfestigte sich der Eindruck, dass all diese Runden immer gleich abliefen. Oft wusste ich auch schon vorher, wie die Teilnehmer für oder gegen etwas argumentieren würden. Ab dem Zeitpunkt, an dem ich das realisierte, wurden Talkshows für mich schnell öde und ich ließ es irgendwann ganz bleiben.

Serien im Fernsehen haben mich immer weniger gereizt. Deutsche Serien gefielen mir, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch nie besonders und amerikanische Produktionen wurden entweder schlecht ausgesucht, gar nicht erst gezeigt oder die Sender zeigten sie dann schließlich in dermaßen bescheuerten Intervallen, dass der Konsum zur Zumutung wurde. All das natürlich zwar kostenlos, aber dafür total werbeverseucht, was einfach nervte.

Sport habe ich noch nie gerne geguckt, von einigen wenigen großen Ereignissen wie WM-Endspielen mal abgesehen. Auch hier vermisse ich das „Fernsehen1“, wie ich es inzwischen gerne nenne, überhaupt nicht mehr.

Natürlich ging mir auch die immer schlechter werdende Filmauswahl auf die Nerven. Wirklich gute Filme gibt es sowieso nur selten – aber wenn, dann sind sie manchmal fast eine Stunde länger durch die ganze Werbung. Und selbst die wurde immer dümmer und nerviger. Alles, was ich über mein damals ohnehin vorhandenes Abo von Amazon Instant Prime bekam, war besser – und werbefrei. Als mir das klar wurde, holte ich mir noch ein Watchever-Abo dazu (mittlerweile habe ich das gegen ein Netflix-Abo getauscht) und hatte eine wahnsinnig große und gute Auswahl. Und was ich dort nicht hatte, hatte ich auf DVD oder Blueray, was zwar nicht ganz so komfortabel ist, wie es einfach aus dem Netz zu streamen aber notfalls eben auch geht.

Tja, und dann dachte ich mir: Guck doch mal, was Dir fehlt, wenn Du mal ein, zwei Tage gar kein Fernsehen guckst, sondern nur Streams oder Datenträger. Und aus diesen ein, zwei Tagen sind mittlerweile zwei Jahre geworden, denn es fehlte mir exakt gar nichts.

Wenn ich heute doch mal über Facebook oder andere Kanäle einzelne Fernsehsendungen empfohlen bekomme, die ich gerne sehen will, lade ich sie mir aus den Mediatheken runter oder schaue Sie per App über Chromecast nachträglich an – dafür aber dann ganz bewusst und nicht mehr nur deswegen, weil sie halt gerade laufen und mir langweilig ist.

Es ist ein anderes Fernsehen. Ein bewussteres und eines, dass Wert auf Qualität legt und mich von viel Schrott verschont, gleichzeitig auch entsprechend Zeit spart, in der ich wirklich gute Inhalte anschauen oder vielleicht auch ganz andere Dinge tun kann.

Es ist ein anderes Fernsehen. Ich schaue was ich will, wann ich will und sogar wo ich will. Die ausnahmsweise Interessante Maybritt-Illner-Sendung kann ich nämlich auch einfach auf dem Handy laufen lassen, während ich koche, weil es da sowieso hauptsächlich darum geht, zuzuhören. Und wenn ich zum Einschlafen eine Doku sehen will, dann bekomme ich die über Netflix oder ZDF auch problemlos über den Laptop auf dem Nachtschrank in HD. Für die nächste Staffel „Better call Saul“ setze ich mich dann aber natürlich wieder in freudiger Erwartung vor den Fernseher.

Was ich mir seit dem ansehe, ist ein anderes Fernsehen. Es ist freier, besser und bewusster. Es ist Fernsehen2.